Worum es geht

Worum geht es in diesem Blog ?!

Ich fotografiere sehr gerne und möchte diesen blog nutzen, um meine Erfahrungen und Ergebnisse in erster Linie für mich aber gerne auch allen interessierten festzuhalten. Da ich selbst nur Hobbyfotograf mit durchschnittlicher Ausrüstung bin, kann ich gleich allen ambitionierten Amateurfotografen (und allen darüber hinaus) sagen, dieser blog wird euch eher langweilen. Ich denke, das hier ist eher was für Leute, die auch einfach mal etwas mehr wollen, als nur „drauf halten“ und dann daheim feststellen: alles verwackelt/über- unterbelichtet oder zur falschen Zeit aufgenommen.

Seit diesem Frühjahr bin ich nun stolzer Besitzer einer Canon EOS 70D, umgestiegen von einer sehr alten Pentax istD. Das der Unterschied so gewaltig sein würde, hätte ich nicht vermutet. Die Pentax hat mir immer ganz treu gedient und mehrere zehntausend Bilder gemacht (und funktioniert noch immer). Aber inzwischen ist die Entwicklung doch ganz schön voran gegangen.

Ich versuche mit meinen Beiträgen zum einen mir selbst festzuhalten, mit welchen Einstellungen ich manche Szenen angegangen bin und was meine Erfahrungen hierbei waren. Insbesondere auch im Vergleich zu früher.

Allen Lesern kann ich dabei vielleicht ein Gefühl geben, worauf sie bei ihren eigenen Aufnahmen achten sollten und dass es an der Kamera mehr gibt wie nur den „grünen Vollautomatikschalter“.

Ich bin nun weniger der Typ Portrait-/Hochzeitsfotograf. Ich mag es lieber, die Natur (dazu zählen für mich auch Gebäude/Industrie) aufzunehmen. Ich fotografiere gerne gegen das Licht. Ich mag es, mir schon vorab eine Stelle und einen Zeitpunkt auszudenken, an der ich Aufnahmen machen werde. Insbesondere in Zusammenhang mit Sonne und Mond.

Ich schreibe hier über diese „Ausflüge“ und wie welche Fotos entstanden sind. Natürlich zeige ich auch einige von den Bildern damit’s was zu gucken gibt. Ich scheue mich nicht, auch schlechte Bilder zu zeigen, um Problemchen beim Fotografieren zu zeigen. Wer mir Tipps zu bestimmten Szenarien / Einstellungen geben kann, ist mit sinnvollen Kommentaren gerne willkommen.

Sonnenaufgang im Bruch

Als „Stadtkind“ ist man ja leicht zufrieden zu stellen wenn es um Wald geht 🙂

So freue ich mich regelmäßig über den „Maudacher Bruch“ in Ludwigshafen. Das ist ein schmaler, langgezogener Grünstreifen / Wald der durch viele Überschwemmungen das ganze Jahr über geprägt ist. Es gibt viele Kanäle, Pfützen und Sumpfgebiete. Das ganze Gebiet scheint mir nur auf das notwendigste forst-technisch gepflegt (man möge es mir verzeihen wenn es nicht so ist;) was ich auch sehr daran mag!

So gibt es dort eine Stelle, die eigentlich ein kleines Stück Ackerland war, aber zu zwei drittel des Jahres überschwemmt ist. So auch aktuell. Es hat sich eine größere Wasserfläche gebildet an deren Seite entlang einige große, noch kahle Bäume aufgereiht sind.

In der „suncalc“ App ist mir vor kurzem aufgefallen, dass derzeit die Sonne morgens so aufgeht, dass sie eine Linie bildet: Sonne, Baumreihe und davor die Wasserfläche.

Es wurden zwei klare Nächte+Tage gemeldet von denen ich an einem morgens etwas Zeit hätte. Also war das der Zeitpunkt, um morgens gegen 6 Uhr an dieser Stelle zu sein. Diese Planungen und das „drumherum“ machen mir eigentlich fast am meisten Spaß an dem ganzen. Schließlich habe ich etwa 2-3 Stunden dort verbracht und immer mal wieder verschiedene Einstellungen und Bildausschnitte probiert. In der „heißen“ Sonnen-Aufgangsphase ist es immer etwas hektisch, weil man nichts verpassen will. Aber eigentlich sind auch davor und danach sehr stimmungsvolle Bilder entstanden. Wichtig ist immer:

  • rechtzeitig vor Ort zu sein. Bis man sich häuslich eingerichtet hat… Außerdem ist vor Ort vielleicht doch etwas anders als geplant.
  • Locker bleiben 🙂
  • Checkliste beachten (siehe Beitrag checkliste)
  • nächstes Mal noch einen camping Stuhl mitnehmen (muss noch auf die Liste)
bruch2
ISO 100, 1/80 s, F/14, 50 mm

Mit den ersten Sonnenstrahlen stieg sofort Dunst aus der Wasserfläche auf.

 

bruch3
ISO 100, 1/100 s, F/10, 105 mm

Eine Ente stellte sich als kostenloses Fotomodell zur Verfügung.

An dem zweiten Bild gefällt mir gut, dass es eine große Distanz zwischen den Bäumen im Vordergrund und dem Waldrand im Hintergrund gibt. Der Dunst dazwischen verschleiert dadurch den Hintergrund und die Bäume wirken kontrastreicher.

 

Blues im Bahnhof im April

Im April war es mal wieder soweit: Blues im Bahnhof in Mannheim. Eine gute Gelegenheit, gute Musik in recht persönlicher Atmosphäre zu hören und dabei mal wieder ein paar Aufnahmen in „widrigen“ Lichtverhältnissen zu machen.

Diesmal traten drei Sängerinnen auf, zunächst jede für sich, später dann als Trio. Sowohl die Musik als auch die Sängerinnen waren diesmal „fetzig“, was das fotografieren einiges schwieriger macht. Außerdem war es sehr voll geworden. Man musste schon kontinuierlich drängeln, um dann irgendwann eine freie Fotobahn zu erhalten.

Die Soloauftritte waren in sofern etwas einfacher zu fotografieren, weil die Sängerin dann zumindest meistens zentral in dem kleinen Lichtkegel der Bühnenbeleuchtung steht.

img4
ISO 1600, 1/100 s, F/6.3, 105 mm

Bei dem Auftritt als Trio habe ich mich schließlich belichtungstechnisch auf die mittlere Lady bezogen. Sie wäre bei jeder anderen Variante gnadenlos überbelichtet worden, da sie wirklich sehr zentral stand und zudem sehr hellen Teint hat. Sie hat sich auch am stärksten bewegt und wäre bei längerer Belichtung nur verwaschen worden.

img3
ISO 1600, 1/100 s, F/5, 50 mm
IMG_2567
ISO 1600, 1/100 s, F/5.6, 105 mm

 

Landschaftsaufnahmen nach Sonnenuntergang

Schon mehrmals ist mir die schön beleuchtete Fassade der Ludwigshafener Walzmühle aufgefallen, die vom Mannheimer Rheinufer gut zu sehen ist. Da ich wusste, dass ich an diesem Abend bis nach Einbruch der Dunkelheit in Mannheim unterwegs wäre, packte ich die Ausrüstung zusammen und fand mich schließlich abends am Rheinufer wieder. Direkt gegenüber der Walzmühle. Laut Mondverlauf.de sollte der Mond zu dieser Uhrzeit von meinem Blickwinkel aus auch direkt über der Walzmühle stehen – das tat er auch aber leider viel zu weit im Zenit 😉 Das hätte nur etwas mit einer sehr weitwinkligen Aufnahme gebracht aber dann wäre die Walzmühle auf Briefmarkengröße zusammen geschrumpft. (übrigens wird der Höhenwinkel bei Mondverlauf.de natürlich auch korrekt dargestellt – ich hab mich einfach nur verschätzt: 40° sind dann doch ganz schön viel 🙂

Aber egal, ich war ja hauptsächlich wegen der Fassade da. Also alles aufgebaut und ausgerichtet. Habe extra noch relativ viel Wasser mit in den Bildausschnitt genommen weil sich die Farben schön spiegeln. Den Fokus habe ich manuell scharf gestellt in dem ich die LiveView aktiviert habe und in der höchsten Lupenstufe dann fokusiert. Das klappt eigentlich ziemlich gut nur zeigt sich da wieder die durchschnittliche Ausrüstung: leicht wackeliges Stativ.

Dann die WLAN Funktion der Kamera aktiviert und mit dem Handy die letzten Einstellungen gemacht und ausgelöst…

Nach einigen Aufnahmen ist mir aufgefallen, dass trotzdem auf manchen Bildern die Fenster verwackelt sind. Das hab ich da noch durch viele Aufnahmen ausgeglichen. Später ist mir dann aufgefallen / eingefallen, dass das an dem Bildstabilisator des Objektivs liegt, das hatte ich auch schon mal gelesen. Also AUS mit dem Ding. So kommt es zu meinem Punkt auf der Checkliste. Bei Stativaufnahmen nie den Stabilisator verwenden. Bei mir war der Effekt besonders stark wegen meinen langen Belichtungszeiten. Ich habe einen geringen ISO Wert, eine relativ hohe Blendenzahl und somit eine mehr-sekündige Belichtung verwendet.

walz
ISO 200, 2 s, F/5, 50 mm

Von dem Punkt am Rheinufer aus sieht man auch die Ludwigshafener Rheingalerie quasi „schräääg niwwer, unner de Brick durch“. Die ist auf jeden Fall auch ein Foto wert. Hier habe ich jetzt auch mal kurze Belichtungszeiten (dafür hohen ISO Wert) gewählt weil sich sehr ausgiebige Reflektionen auf der Wasseroberfläche zeigten. Die wollte ich nicht einfach mit langer Belichtung „wegwischen“. Das detaillierte, dunkle Wasser sieht hier meiner Meinung nach besser aus. Dafür ist der Nachthimmel leider „verrauscht“.

img1
ISO 4000, 1/4 s, F/5.6, 105 mm

Auf dem Rückweg habe ich noch an einer kleinen Aussichtsplattform halt gemacht, die mir schon auf dem Hinweg aufgefallen war. Die einsame Laterne, die einen ärmlich wirkenden Baum bestrahlt hielt ich für interessant. Also nochmal kurz Halt gemacht und verschiedene Belichtungen ausprobiert…

 

Wahrscheinlich finden einige dieses Bild zu dunkel aber mir gefällt, dass die Betonung so sehr auf der Laterne liegt und ansonsten fast nur noch das filigrane Geäst des Baumes auffällt.

baum2
ISO 400, 8 s, F/8, 35 mm

Erst bei der Betrachtung der Bilder daheim fiel mir auch die interessante Textur des Plattformsockel auf. Deshalb habe ich die Werte etwas angepasst, um den Sockel hervorzuheben:

baum3
ISO 400, 8 s, F/8, 35 mm

 

Blues im Bahnhof im März

Blues im Bahnhof ist eine Veranstaltung im Bahnhof Mannheim. Alle paar Wochen geben verschiedene Blues Gruppen ein kostenloses Konzert.

Erste Versuche in schlechten Lichtverhältnissen. Blitzlicht war für mich keine Option da mich das selbst nervt. 2 oder 3 Aufnahmen hab ich auch mit Blitz gemacht aber das wirkt immer unnatürlich. Also ließ ich die hohen ISO Werte zu, um trotz der Brennweite von hier 105mm noch vernünftige Verschlusszeiten hinzubekommen (1/100). Zum Glück steht der Sänger recht gut beleuchtet im Scheinwerferlicht. Das hebt ihn gut vom dunklen Hintergrund ab und in diesen Bereichen tritt kaum Rauschen auf.

img0b
ISO 2500, 1/100, F/5.6, 105mm

Man kann hier sicherlich noch viel an den Parametern der RAW Datei spielen aber mir ging es bei diesen Aufnahmen darum, zu sehen, was die Kamera so im Vergleich zu meinem Vorgängergerät leistet.

IMG_0488s
ISO 2500, 1/50 s, F/5.6, 70 mm

Checkliste

Ich habe mir mal selbst eine Art Checkliste geschrieben anhand der ich prüfe, ob ich alles dabei habe was ich brauche. In Abhängigkeit von den Aufnahmen, die ich machen möchte. Hier unterscheide ich eigentlich hauptsächlich, ob ich indoor oder outdoor Aufnahmen machen werde.

Ok, was ich natürlich immer brauche ist die Kamera 😉

Aber da gehts schon los:

  • ist der Akku voll?
  • Ist die Speicherkarte leer ?!? Ich hab zwar nie wirklich Platzprobleme gehabt aber es nervt trotzdem, wenn man vor Ort erst mal sieht, ups, da sind noch Bilder auf der Karte, und hab ich die denn wirklich alle schon irgendwo daheim archiviert. Also lieber in Ruhe daheim nochmal schauen und dann alle löschen. Es ist immer beruhigend wenn die Karte leer ist. Wer sich jetzt denkt „dann nimm halt N Karten mit“ : das macht’s nur noch schlimmer! Dann fängst du vor Ort an, wie mit einem Revolver die Karten durchzutauschen. Überall sind ein paar Bilder drauf von noch länger her..

Dazu kommt jetzt bei mir noch für indoor Aufnahmen:

  • Zusatzakkus
  • Akkugriff

Ich habe mir für meinen Fotoapparat einen Akkugriff geleistet den ich seitdem für Indoor nicht mehr missen möchte. Nicht nur weil er die Akkukapazität verdoppelt weil einfach zwei Akkus rein passen (man könnte ja auch einfach den zweiten Akku einstecken und bei Bedarf wechseln). Ich habe mich in kürzester Zeit daran gewöhnt, dass der Griff die Portraitaufnahmen so dermaßen vereinfacht weil er alle wichtigen Bedienelemente nochmal bietet. Man kann die Kamera in der gleichen Weise hochkant halten/bedienen wie im Querformat, ohne dass man sich verrenkt wie ein Affe, der sich mit seiner rechten Hand in seinem linken Ohr kratzt…

Für outdoor kommt bei mir folgendes mit:

  • Stativ
  • Zusatzakkus bei Dunkelheit (Langzeitaufnahmen fressen Strom)
  • Teleobjektiv mit Adapterring (das Objektiv ist ne  andere Marke)
  • Lampe/Taschenlampe
  • Handy (geladen ?!) (ich kann meine Kamera per HandyApp auslösen)
  • Autoladekabel fürs Handy
  • Trinken
  • Schirm
  • Camping Stuhl

Meine Prüfliste im Vorfeld:

  • Speicherkarte ist leer
  • Akkus geladen
  • Handy geladen
  • Stativaufsatz ist beim Stativ oder an der Kamera (wenn man dieses kleine Teilchen nicht dabei hat kann man eigentlich wieder heim fahren :/
  • der Adapterring für das Tele ist am Objektiv
  • der Akkugriff ist an der Kamera oder (mitsamt Einschub) eingepackt
  • die Lampe hat genug Energie

Kameraeinstellungen im Vorfeld (das stelle ich mir auch meistens schon in Ruhe daheim so ein, auch wenn es sich später ändert. Im Prinzip ist es eigentlich ein Rückstellen auf „alles automatisch“ 😉

  • WLAN Funktion auf „Fernsteuerung“ einstellen (ggf. auch schon aktivieren)
  • Objektiv Grundeinstellung: ImageStabilisator an, Autofokus
  • Dateiformat Aufnahme. nur jpeg, kein Raw
  • Aufnahmeformat Standard 4×3
  • Auto ISO Bereich bis maximal 2500
  • Programmschalter P,M,Tv,Av: Weißabgleich Auto
  • Programmschalter „grün“: Blitz auto
  • Programmschalter P: kein Blitz
  • Für outdoor: Wasserwage + Raster einblenden

Mein kleiner Leitfaden für Indoor Aufnahmen (speziell für dunkle Umgebungen, Konzerte / Bälle):

  • Am besten Blitzaufnahmen immer vermeiden. Die wirken fast immer künstlich, über- oder unterbelichtet
  • Das wichtigste ist, die Belichtungszeit nie unter 1/100 Sekunde fallen lassen. Sobald eine Person verwaschen wirkt, ist das Bild Schrott! Bei Teleaufnahmen von Einzelobjekten ruhig den ISO Wert auf 5000 gehen lassen. Bei Aufnahmen von Personen im Rampenlicht kommt es nicht zu merklichem Rauschen. Weitwinkelaufnahmen in den dunklen Raum wirken schon eher verrauscht.
  • Den Autofokus auf das zentrale 9x Messfeld oder besser ganz zentral einstellen. Beim Fokusieren darauf achten, dass nicht das Mikro oder ein Stativbein fokusiert wird sondern das Gesicht.
  • Die Belichtungsmessung ebenfalls mittenbetont / zentral – besser, wenn der Hintergrund unterbelichtet ist.
  • Die Blende weitmöglichst offen (<5.6, wie gesagt, meine Ausrüstung ist Durchschnitt 😉 um kurze Belichtungszeit und kleine Tiefenschärfe zu bekommen.
  • Bei Sängern/Darstellern immer in ruhigen Passagen abdrücken.

…und für outdoor:

  • ISO Wert am besten fix bei 100 lassen. Der Himmel/Wolken wirken sonst so schnell verrauscht. Es sei denn man braucht kurze Zeiten wegen Wasser oder Personen.
  • Bei Landschaft/Weitwinkel sollte die Blende nie unter 8 sein. Lieber länger belichten und große Tiefenschärfe haben. Punktlichtquellen erhalten dadurch auch den Sternenglanz Effekt (abgehende Strahlen)
  • Die Kombination Stativ + Klappdisplay ist perfekt und sehr bequem zum Bedienen. Auslösen immer per Handy App!
  • Bei Stativaufnahmen lohnt es sich, die LiveView zu aktivieren und den Fokus manuell einzustellen (Lupe Funktion am Display)
  • Bei Stativaufnahmen auf jeden Fall den Image Stabilisator abschalten !!!!!! Besonders bei Langzeitaufnahmen schrottet der viele Bilder
  • Wenn das Setup soweit passt, auf jeden Fall auf RAW Dateiformat umstellen (mit dem nachträglichen Weißabgleich kann man das Bild extrem aufwerten).